Ziel: Autarke Bordstromversorgung

In der Beschreibung meiner derzeitigen (April 2016Bordstromversorgung im FlairLIFE betone ich, etwa drei Viertel des Jahres autark zu sein. Während der dunkleren Wintermonate wird die Sonnenschein-/Tageslichtdauer kürzer und reicht nicht mehr aus, um die AGM-Batterie über die Solarmodule voll aufzuladen. Deshalb beschäftige ich mich seit einiger Zeit, angeregt durch André Bonsch von AMUMOT, der das Problem für sich schon gelöst hat, mit der Frage: Wie kann ich die Unabhängigkeit von der Steckdose auf das ganze Jahr ausdehnen?

Anders als bei Dauerbewohnern des WoMos oder Überwinterern, wo diese Frage gewiss von größerer Bedeutung ist, treibt mich vor allem das Interesse am technisch Machbaren an, ohne dass Autarkie zwingend nötig wäre. Allerdings bin ich ein bequemer Mensch und möchte mir so lange es geht das Strippenziehen zum Stromkasten ersparen können. Nicht zuletzt wollen wir auch Stellplätze ohne Infrastruktur sowie Freistehplätze anfahren können. Solche Fleckchen sind oft die schönsten.

Dabei möchten wir uns über den Stromverbrauch keine Gedanken machen müssen, denn wir sind keine Camping-Puristen, die bei Kerzenlicht Mensch-ärgere-dich-nicht spielen. Wir schalten auch mal den Fernseher ein, kochen den Kaffee elektrisch, haben eine Kompressorgefrierbox dabei, fönen die Haare, laden die eBike-Akkus auf, sitzen abends nicht immer im Dunkeln, usw., usw. In den helleren Monaten funktioniert das mit der jetzigen Ausstattung hervorragend, werden jedoch die Tage kürzer, schwindet auch die Ausdauer des AGM-Stromspeichers, weil er nicht mehr vollständig aufgeladen wird, was auch für seine Gesamtlebensdauer schlecht ist. Im Winterurlaub gehen wir deshalb an die Steckdose, wobei mein programmierbares Ladegerät von Sterling etwaigen Solarstrom gegenüber dem Landstrom priorisiert.

Für völlige Unabhängigkeit von der Steckdose können bekanntlich Lithium-Ionen-Batterien (LiFePo4) in Verbindung mit einer leistungsfähigen Solaranlage sorgen. Meine Solaranlage ist mit fast 500 Wp bereits ausreichend dimensioniert, doch fehlt noch die LiFePo4, denn die Ladezeit für die AGM-Bleibatterie ist einfach zu lang für kurze Wintertage. Da der 243 Ah AGM-Akku aber noch fit ist, bietet sich aus wirtschaftlichen Gründen sein Austausch momentan noch nicht an. Es sei denn, ich fände einen Käufer dafür.

Beim gelegentlichen Stöbern im Internet ist mir nun das All-In-One-System „LPS“ (Lithium Power Supply) des dänischen Herstellers Clayton aufgefallen, das durch Kompaktheit und Komplettheit besticht. In einem Gehäuse von der Größe eines Kaffeevollautomaten (Titelfoto/Quelle: Leab) verstecken sich fünf Komponenten:

  • 12 V 100 Ah LiFePo4-Batterie (erweiterbar um baugleiche externe 100 Ah LiFePO4 Batterie von LEAB; muss im LPS ab Werk programmiert werden),
  • integriertes Batterie-Management-System (BMS),
  • 1500 W Sinus-Wechselrichter mit Netzvorrangschaltung,
  • intelligentes 12 V 50 A Netzladegerät,
  • 40 A Ladebooster für die schnelle Ladung durch die Lichtmaschine.
  • Option: Fernanzeige mit EIN/AUS-Funktion
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LPS-Fernanzeige der Betriebszustände

> Flyer zur LPS

Weitere Infos bei www.leab.eu (deutsch) oder www.claytonpower.com (englisch, dänisch) oder LPS-Energy (deutsch). Interessant und informativ! Hier gibt es auch Downloads und Videos zur ausführlichen Information.

Bei MOVERA und REIMO wird die LPS (Lithium-Power-Supply) bereits angeboten, zum Preis ab 2.675 €. Kein Pappenstiel! Da heißt es vergleichen!

Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass der LPS-Kasten bereits fünf Komponenten enthält, die sonst extra beschafft, installiert, verkabelt und bezahlt werden müssen. Außerdem eignet sich die LPS für den mobilen Einsatz statt eines kleinen Notstromaggregats, da die Stecker im Auto schnell abgestöpselt sind und so die LPS unabhängig vom Fahrzeug tragbar verwendet werden kann (z. B. wenn das WoMo nicht genutzt wird). Bei 200 W ist das etwa viereinhalb Stunden ununterbrochen möglich.

An die Starterbatterie und/oder eine Solaranlage anschließen – fertig! sagt der Hersteller. Ich will nun klären, ob sich dieses System parallel zu meiner vorhandenen als ergänzende Stromversorgung installieren ließe, ohne dass Probleme auftreten. Das hätte zum Einen den umweltfreundlichen Vorteil, Vorhandenes nicht gleich entsorgen zu müssen. Zum Anderen wäre etwa eine Verdoppelung der jetzigen Kapazität gegeben. Andernfalls muss ich eben noch etwas Geduld haben und erst dann eine neue LiFePo4 Batterie an die Stelle der AGM-Batterie setzen, wenn letztere in ein paar Jahren schwächelt.

UPDATE Februar 2017: Inzwischen konnte ich mit LEAB klären, dass eine Parallelnutzung von Bleibatterien- und LiFePO4-Akkus zwar notfalls machbar, aber keinesfalls sinnvoll wäre, da der erforderliche Schalt- und Verkabelungsaufwand einfach viel zu hoch und kompliziert wäre. Also werde ich wohl demnächst die AGM-Batterie komplett durch LiFePo4 ersetzen. Für die noch einwandfreie 243 Ah AGM-Batterie muss ich halt noch einen sinnvollen Verwendungszweck finden, bzw. sie verkaufen.

Da André Bonsch (AMUMOT), von dem ich die Umrüstung machen lassen wollte, im Jahr 2017 nicht nach Deutschland zurückkehrt, muss ich nach einer anderen Lösung suchen. Vielleicht eignet sich ja die LPS von Clayton (s. o.), um die Montage weitgehend selbst durchführen zu können.

UPDATE März 2017: Ein Batterietest hat ergeben, dass meine Versorgungsbatterie nach nunmehr fünf Jahren doch nicht mehr taufrisch ist. 90 Minuten lang kann ich sie mit 15 A belasten, dann bricht die Spannung auf unter 12 Volt ein. Nicht ideal für Wechselrichterbetrieb! Deshalb will ich noch vor dem nächsten Winter auf LiFePO4 umrüsten. Auch Flairfreund Jochen ist interessiert.

UPDATE Mai 2017: Jochen hat sich für eine andere Lösung entschieden als ich. Er hat sich zwei preiswertere 100Ah LiFePO4 Akkus von GreenAkku bestellt, die allerdings nur 50A Dauerentladestrom zulassen. Für das Aufladen seines eBikes reiche ihm das. Gleichzeitig will er Solar gelegentlich auf 300Wp erweitern.

Wer die entsprechenden Beiträge gelesen hat weiß, dass ich mich nach ausgiebiger Beschäftigung mit der Materie nun für einen LiFeYPO4-Stromspeicher von Victron Energy entschieden habe, nachdem ich mich dazu durchringen konnte, den Einbauort für die Batterie zu ändern. So findet eine 200Ah von Victron Energy nebst BMS Platz und ist auch noch besser zugänglich als im ursprünglichen abgesenkten Batteriebehälter. Der nimmt künftig diejenigen Reise-Utensilien auf, welche der neuen Batterie weichen müssen. Die Umrüstung auf LiFeYPO4 soll noch im Mai 2017 beginnen. Ein Problem könnte noch die Lieferbarkeit der Batterie werden. Bislang ist die auserwählte Victron Energy LiFeYPO4 200Ah Smart nämlich noch nicht auf dem deutschen Markt verfügbar, wenn auch angekündigt. Aber wenn ich schon ordentlich in die Bordstromversorgung investiere, dann will ich auch gleich das Neueste erwerben.

UPDATE Juni 2017: Inzwischen entdeckte ich noch eine Batterie-Alternative von FraRon, die wie angegossen in meinen Batteriebehälter passt und weitere Vorteile aufweist. Diese LiFeYPO4 200Ah Batterie mit integriertem BMS bildet jetzt den Stromspeicher meiner modernisierten Bordstromversorgung im WoMo.

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