„Batterielle“ WoMo-Erfahrungen über zwei Jahrzehnte

Über 20 Jahre hinweg durfte ich Einiges an positiven und negativen Erfahrungen mit Stromspeichern im jetzigen Wohnmobil sammeln. Davor lagen 17 Jahre mit Vorgänger-WoMos. Jahre, die geprägt waren von meiner fachlichen Unbedarftheit, was Batterietechnik betraf, und vor allem von der Inkompetenz jener „Profis“, die damals Batterien und Solarmodule verkauften und installierten. Den derzeitigen Beginn einer neuen Ära mobiler Stromversorgung und -speicherung in meinem WoMo nehme ich zum Anlass, zurückzublicken auf einige Erlebnisse in 37 Jahren mit dem Hobby Wohnmobil..

Die Jungfernfahrt mit dem neuen FFB MC 3 führte uns 1980 zu Pfingsten auf den Obersalzberg bei Berchtesgaden. Obwohl wir damals nicht einmal einen Fernseher dabei hatten, ging uns bald das Licht aus. Nach Rückkehr schickte mich der Amberger Händler zum Bosch-Dienst, um die Batterie prüfen zu lassen. Diagnose: Batterie defekt! Es handelte sich um eine Blei-Säure-Batterie mit 90 Ah. Ich sollte auf Garamtie einen neuen Akku gleichen Typs einbauen lassen. Gesagt, getan, doch nach kurzer Zeit streikte auch die neue Bosch-Batterie. Es stellte sich nach langem Hin und Her zwischen Händler und Bosch-Dienst heraus, dass beide Batterien einfache Starterbatterien waren, die sich nicht als Versorgungsbatterien eigneten. Dass es da einen Unterschied gab, war offensichtlich für alle Beteiligten neu. Das Ganze landete schließlich vor Gericht, weil der Händler die Rechnung von Bosch nicht zahlen wollte. Die Kosten seien aufgrund einer falschen Diagnose der Werkstatt entstanden. Er verlor aber und musste nicht nur die Rechnung begleichen, sondern für mein WoMo endlich eine echte Versorgungsbatterie liefern.

Als ich im Jahr darauf die Bordstromversorgung erweitern wollte, wurden mir zwar die erforderlichen Komponenten verkauft (2. Batterie, Solarmodule, Regler und Kabel), doch niemand belehrte mich darüber, dass nur Batterien gleichen Typs und gleichen Alters parallel geschaltet werden dürfen und dass die Verbindungskabel sowie die Leitungen von der Solaranlage ausreichend dimensioniert sein müssen. Kein Wunder, dass ich keine Freude an dem System hatte. Es funktionierte so schlecht, dass ich beim Freistehen sogar in Griechenland bei ganztägigem Sonnenschein zusätzlich einen Honda-Generator einsetzen musste. Da ich damals nicht ahnte, dass es auch besser ginge, fand ich mich damit ab. Auch damit, bei der Batterie ständig destilliertes Wasser nachfüllen zu müssen.

Beim nächsten WoMo, dem teilintegrierten MultiMobil, klappte die Stromversorgung besser. Solaranlage (2 x 50 Wp) und Nassbatterien harmonierten so gut, dass wir im Winter bei -15°C in Oberstdorf drei oder vier Tage problemlos ohne Landstrom freistehen und dabei sogar fernsehen konnten. Bei diesem Auto musste ich mich kaum mit der Elektrik beschäftigen, nutzte aber auch immer wieder Landstrom.

Apropos Fernsehen: An einem Messestand mit Elektronik für’s Wohnmobil fragte ich das Personal, ob der ausgestellte 12 V TV auch mit höheren Spannungen, wie Sie beim Laden vorkommen können, zurecht käme. Antwort: „… Wenn bei Ihnen höhere Spannungen als 12,5 V vorkommen, dann ist am Wohnmobil was kaputt….“ Der Mann verkaufte auch Ladeelektronik usw. 😤 Ich wusste es besser. Vor allem durch André von AMUMOT hatte ich viel gelernt und mir ergänzend noch Einiges angelesen.

Mein aktuelles WoMo bestellte ich 1997 gleich ab Werk mit verdoppelter Batteriekapazität (2 x 90 Ah offene Blei-Säure-Batterien) und Solaranlage (2 x 100 Wp). Diese Konstellation arbeitete etwa 9 Jahre lang zu meiner vollen Zufriedenheit. Dann wechselte ich zu 2 x 100 Ah geschlossene Blei-Säure-Batterien, um mir das Kontrollieren und Nachfüllen von destilliertem Wasser zu ersparen. Nach gut fünf Jahren schwächelten die „Zweiten“ erneut. Ich ließ mir von André Bonsch (AMUMOT) AGM-Akkus empfehlen und einen einbauen (243 Ah von Longex). Es dauerte wiederum gerade mal knapp fünf Jahre, bis auch dieser Bleiblock keine hohen Ströme mehr vertrug. Deshalb plante ich die Umrüstung auf LiFePO4 und informierte mich fortan entsprechend über diese Technologie. Jetzt im Juni 2017 war es endlich soweit: Die Lithium-Eisen-Yttrium-Phosphat-Stromspeichertechnik hat bei meinem WoMo Einzug gehalten.

Welcher der Batterietypen war nun nach meinem Eindruck der beste? Es dürfte die LiFeYPO4 sein, die mich jetzt schon positiv überrascht. An zweiter Stelle sehe ich die 1997 ab Werk verbauten Nassbatterien mit großem Abstand zu den geschlossenen Säurebatterien und zum AGM-Akku.

Die LiFeYPO4-Batterie von FraRon besaß heute Abend nach ganztägigem Betrieb des WoMo-Kühlschranks mit 230 V über Wechselrichter immer noch über 70 % ihrer Kapazität. Größere Verbraucher waren außer dem Kühlschrank die Kompressor-Gefrierbox und die beiden FanTastic Vent Dachlüfter. Miteinander ziehen sie 25 – 30 A aus der Batterie.

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Solarmodule auf meinem WoMo-Dach: Das dritte Modul ist zwischen Heckspoiler und Midi-HEKI aufgeklebt (auf dem Foto kaum sichtbar). Das vierte fehlt noch.

Da das WoMo-Dach die letzten zwei oder drei Stunden vor Abschaltung des WR durch Bäume und Hausdach beschattet wurde, erklärt sich unterm Strich der Verbrauch von fast 30% der Kapazität, denn es fand so gut wie keine Nachladung mehr statt. Erstaunlicherweise ist bei Beschattung der Solarertrag geringer als bei bedecktem Himmel und diffusem Licht. Die Displays zeigten nach Abschalten des Wechselrichters folgende Messwerte an:

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Nach versuchsweisem Einschalten der TV-Satelliten-Anlage wird im Display ganz oben angezeigt, wie lange man nun unentwegt fernsehen könnte, falls keine Nachladung erfolgen würde: ca. 40 Stunden. Unter gleichen Bedingungen würde die Raumbeleuchtung etwa 3 Tage ununterbrochen brennen.

Das ist allerdings Theorie, denn morgen geht wieder die Sonne auf, und in drei oder vier Stunden ist der heutige Verbrauch wieder ausgeglichen. Nachdem es für LFP-Batterien gesünder ist, wenn sie nur teilgeladen sind, werde ich wohl am Vormittag gleich wieder den Kühlschrank einschalten.

Normalerweise ist es ja wirtschaftlicher, Geräte statt über Wechselrichter möglichst direkt über 12 V zu betreiben, denn der WR hat auch einen Eigenverbrauch. Im Falle des Kühlschrankes ist es aber so, dass bei 12V-Betrieb kein Thermostat wirksam ist, er also ununterbrochen läuft und Strom verbraucht. Im 230V-Modus schaltet er thermostatgesteuert immer wieder mal aus, wenn die gewünschte Temperatur erreicht ist. Ich vermute, dass dadurch weniger Energie verbraucht wird, habe aber noch nicht exakt verglichen. Der 12V-Betrieb des Kühli ist nur während der Fahrt, bzw.. bei laufendem Motor aktiv, wenn das Trennrelais beide Bordnetze verbindet, also Starterbatterie/Lichtmaschine mit dem Versorgungsbatteriesystem.

Da die Gefrierbox mit etwa 50 W über Nacht aktiv ist, bin ich gespannt, wie die verbliebene Batteriekapazität morgen Früh aussehen wird. Die Ruhespannng lag übrigens bei 13,3 V.

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Display des Votronic Solarcomputers

 

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