Winterbetrieb 1: Heizen und mehr

Der Winter steht vor der Tür. Wie in den vergangenen Jahren möchten wir auch heuer in der kalten Jahreszeit nicht auf Touren mit dem Wohnmobil verzichten. Die Winterreise über Weihnachten und Neujahr ist schon geplant. Sie führt zunächst wieder nach Oberammergau, wo wir zusammen mit Maria und Harald das Neue Jahr begrüßen wollen. Wie bereiten wir uns auf Kälte und evtl. Schnee vor?

In mehreren Beiträgen werde ich in der nächsten Zeit am Beispiel unserer alljährlichen Winterreise nach Oberammergau und in weitere Regionen am Nordrand der Alpen beschreiben, wie wir das handhaben mit dem wohnmobilen Winterbetrieb. Wie schaffen wir auch bei widrigen Witterungsverhältnissen und frostigen Temperaturen ein gewisses Wohlfühlambiente statt eines klammen „Wintercamping“-Feelings?

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Im Wesentlichen geht es dabei ums Heizen und um die Frostproblematik sowie um den Umgang mit Schnee und Eis sowohl auf dem WoMo als auch drumherum und natürlich beim Fahren auf winterlichen Straßen.

Daraus ergeben sich einige vorab zu klärende Fragen, z. B.:

  • Woher bekomme ich in der Zielgegend Heizmaterial/Brennstoff?
  • Wie lange komme ich mit einer 11kg-Gasflasche aus?
  • Müssen im Wohnbereich zusätzliche Isolierungsmaßnahmen getroffen werden?
  • Wo kann ich bei Frost Frischwasser auffüllen, wo Abwasser entsorgen?
  • Wie wird die Stromversorgung gewährleistet?
  • Wie beseitige ich Schneelasten vom WoMo-Dach?
  • Womit räume ich Schnee ums Fahrzeug herum?
  • Wie bin ich für winterliche Verkehrsbedingungen gerüstet?
  • Ist das Auto technisch winterfest?
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Campingpark Oberammergau am Fuße des Kofel

Da wir zumindest von Weihnachten bis Neujahr einige Tage fest an einem Ort bleiben, gehen wir für diese Zeit konsequenterweise auf einen Campingplatz (gerade im Winter) und zwar „traditionell“ in den gemütlichen Campingpark Oberammergau am Fuße des Kofel (Hausberg von O‘gau). Hier sind einige obiger Fragen leichter zu lösen, man kann verschiedene Angebote und Serviceleistungen des CP bequem nutzen und notfalls auf Einrichtungen des CP zurückgreifen.

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Im heutigen Beitrag will ich schwerpunktmäßig darauf eingehen, wie wir das handhaben mit dem Beheizen des Wohnmobils. Im nächsten Beitrag soll es dann ums Ver- und Entsorgen bei Minusgraden gehen.

Zum Heizen benötigen wir Flüssiggas oder 230V-Landstrom für die AldeWarmwasserheizung und Dieselkraftstoff für den Betrieb der WebastoZusatzheizung. Gasflaschen können wir in Oberammergau auf dem Campingplatz (nur Stahlflaschen) oder im Baumarkt tauschen, wo es auch Alugas gibt. Vorsorglich nehme ich im Winter zusätzlich zu den beiden 11kg-Alu-Gasflaschen noch eine 11kg-Stahl-Gasflasche mit. Im äußersten Notfall könnte man zudem den Heizkessel über die Alde 230V-Heizpatronen vorübergehend auch elektrisch beheizen, was natürlich u. U. erhebliche Stromkosten nach sich zöge. Die Diesel-Zusatzheizung ist mit an den Kraftstofftank des Ducato-Basisfahrzeuges angeschlossen und verbraucht recht wenig. Diesel befindet sich sowieso im Tank, also bedeutet der gelegentliche Betrieb der Webasto Luftheizung keinen zusätzlichen Aufwand.

Damit die Wärme im WoMo bleibt und man sich auch bei großer Kälte wohlfühlt, ist eine lückenlose Isolierung der Kabine unabdingbar. Bei unserem FlairLIFE bestehen, wie bei nahezu allen WoMos, vor allem im Bereich des Fahrerhauses konstruktiv bedingte Kältebrücken, die gedämmt werden müssen: die große Frontscheibe sowie zwei kleinere dreieckige Fenster links und rechts davon sind aus zulassungsrechtlichen Gründen nur einfach verglast, Der Fußraum unter dem Armaturenbrett und der Fahrerhausboden sind ebenfalls nicht nennenswert isoliert, also im Fiat-Originalzustand.

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Gegen Kälte von den Frontfenstern hat N+B einen großen, isolierten Rollladen eingebaut, der mit dem Armaturenbrett abschließt. Bei Bedarf kann ich bei COWAN angefertigte Isoliervorhänge zusätzlich vor den Rollladen ziehen und links und rechts dicht anknöpfen, denn der Rollladen strahlt auch etwas Kälte (im Sommer Wärme) ab.

Zwar besäße ich auch maßgefertigte Isoliermatten von Kantop für die Abdeckung der einfach verglasten Frontscheiben von außen, doch sind mir Montage und Demontage wegen der Höhe der Frontscheibe zu aufwändig (ohne Leiter und zweitem Mann kaum zu schaffen). Außerdem verdunkelt man damit den Innenraum und blockiert die Aussicht nach vorn. Nicht zuletzt beanspruchen die aufgerollt recht sperrigen Isomatten während des Nichtgebrauchs gehörig Stauraum. Sie waren in meinem Fall ein Fehlkauf.

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Bei Nichtgebrauch liegt die Fußraummatte auf der Abdeckung zwischen Armaturenbrett und Windschutzscheibe. Hier nimmt sie keinen Platz weg und wirkt zusätzlich geräuschdämmend.

Unters Armaturenbrett (für den Fußraum) wird bei starkem Frost die große Isoliermatte geknöpft, welche normalerweise zwischen Rollladen und Frontscheibe auf der Armaturenbrettverlängerung abgelegt ist. Die Dämmmatte ist zusammen mit weiteren maßgefertigten Mattenteilen für den gesamten Fahrerhausboden und die Sitzkonsolen ein sehr wirksames Mittel gegen Kälte im Fahrerhaus und wurde beim Neufahrzeug als Option für den Winterbetrieb mitgeliefert. Ich habe die klimatischen Verhältnisse im Fahrerhausbereich durch den Einbau einer Webasto Zusatzheizung in der Beifahrersitzkonsole weiter optimiert.

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Isoliervorhänge vor dem Rollladen über dem Armaturenbrett, Isoliermatte darunter

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Der Fahrzeugbug ist mit den beschriebenen Maßnahmen, der guten Kabinenisolation und doppelten Isolierglas-Schiebefenstern sowie Konvektoren der WW-Heizung somit auch im Winter integraler Bestandteil des Wohnraums, der dadurch deutlich vergrößert wird. Es gäbe sogar ein Alde-Heizungselement für den Ducato-Fahrerhausboden, das an den WW-Heizungskreislauf angeschlossen wird. Vielleicht lasse ich diese Fahrerhausfußbodenheizung noch installieren. Wie ich allerdings höre, gibt es diese Heizmatte nur für den aktuellen Ducato konfektioniert, nicht jedoch für meinen Ducato 230. Doch man kann sie bei Alde evtl. maßgerecht anfertigen lassen.

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Die Heizfolie der elektrischen Paroli-Fußbodenheizung wird unter dem Teppich auf den Fußboden geklebt. Der Teppichrücken verfärbt sich zwar etwas, nimmt aber bei den 30°C der Folie keinen Schaden.

Da der kompakte FlairLIFE keinen durchgehenden Doppelboden besitzt, sondern nur einen isolierten „Keller“ für die Tanks sowie einen gedämmten Unterflurkasten für die Versorgungsbatterie, habe ich vorsorglich im Bereich vor der Couch eine elektrische Paroli-Fußbodenheizung (230 V) unter dem Teppich installiert, die über ein Steckdosen-Raumthermostat energiesparend gesteuert wird. Sie erwärmt sich auf bis zu ca. 30°C und schafft angenehme Fußwärme. Dieser Komfort setzt natürlich 230 V Landstrom voraus. Bei Betrieb über WR würde die Batterie ohne Nachladen spätestens nach 10 Stunden nur noch ein Viertel ihrer Kapazität besitzen (sofern sie anfangs voll war).

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Insgesamt entsteht durch genannte Maßnahmen und Gegebenheiten ein gemütliches Raumklima, das vor allem durch die Alde-Warmwasserheizung bestimmt wird, die gleichzeitig für heißes Brauchwasser (Duschen, Geschirr spülen) sorgt. Bei großer Kälte ist dann jeweils nach ca. drei bis vier Tagen eine 11kg-Gasflasche leer. Durch häufigeren Einsatz der Diesel-Zusatzheizung lässt sich das Gas etwas „strecken“. Auch eine Nachtabsenkung auf unsere Schlaftemperatur (etwa 15°C) spart Energie. Ebenso muss die Heizung nicht auf vollen Touren laufen, wenn man stundenlang abwesend ist. Die beiden Elektroheizpatronen unserer Alde Comfort (1000 und 2000 W) benutzen wir nur für den Frostschutz am heimischen Stellplatz sowie im Notfall zur Überbrückung, wenn z. B. zur Unzeit das Gas ausginge.

Während der Fahrt wird der Alde-Heizungskreislauf übrigens nicht durch direkte Beheizung des Kessels, sondern über einen Motorwärmetauscher erhitzt. Das heiße Motorkühlwasser erwärmt so auch die Heizungsflüssigkeit der Alde-WW-Heizung in Rohren und Konvektoren. Dazu müssen Umwälzpumpe und Raumthermostat der Alde aktiviert sein. Dann ist der Wohnraum schon während der Reise gemütlich warm, und Warmwasser gibt es auch nicht erst nach Inbetriebnahme eines Boilers. Bei Ankunft sollte allerdings bald auf Gasbetrieb umgestellt werden, weil der Motor keine Wärme mehr produziert und bei Minusgraden der Raum mit der Zeit natürlich auskühlen würde.

„Abfallprodukt“: Kein Kaltstart des Motors! Vor der Abfahrt kann durch Umkehrung des Wärmeaustausches ein Kaltstart vermieden werden. Dazu wird über das N+B-Bedienpanel eine zusätzliche Pumpe im Motorkühlkreislauf aktiviert, die dafür sorgt, dass Wärme aus dem Alde-WW-Heizkreislauf über den Wärmetauscher den Motor vorwärmt. So springt auch bei hohen Minustemperaturen der Motor bei der ersten Umdrehung an, auch ohne Vorglühen.

Diese gesamte Heizungstechnik teste ich natürlich rechtzeitig vor Reiseantritt ausgiebig, um notfalls noch etwas instandsetzen zu können, was bei einem 20 Jahre alten WoMo immer mal vorkommen kann.

Für besondere Fälle führe ich noch einen kleinen elektrischen Motorwärmer (wie kleiner 1400W-Heizlüfter) mit. Bisher kam das Gerät des norwegischen Herstellers DEFA allerdings nur mal zuhause bei unserem Polo zum Einsatz.

Im nächsten Beitrag beschreibe ich u. a., wie wir bei Frost ver- und entsorgen.

 

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