„Mariä Himmelfahrt“: Geteilter Feiertag — Einkaufstag — Tag der Kräuterweihe

Damit Ute am heutigen Feiertag Mariä Himmelfahrt nicht kochen muss, beschließen wir, ein typisches Dorfgasthaus mit guter bayerischer Küche aufzusuchen: das Gasthaus Sommer in Wilchenreuth. Wir speisen Ente und Rindsroulade für jeweils 9 €. 

Zum leckeren Braten mit passender Soße gibt es zwei Knödel (von denen ich nur einen schaffe) und einen Beilagensalat. Ute trinkt zur Ente Bier,  ich bevorzuge Weinschorle. Wir essen im Freien und nehmen die zahlreichen Wespen inkauf, die vom Teller naschen wollen, aber nicht aggressiv sind. Die Soßen scheinen ihnen allerdings nicht besonders gut zu bekommen. Zwei der Mitesser kippen anschließend ohne unser Zutun um und strecken alle Sechse von sich. Die Zeche machte am Ende insgesamt 21,70 €. Da kann man nicht meckern.

Sowohl in Wilchenreuth als auch auf den Parkplätzen anderer Gasthäuser und Cafés unterwegs fällt uns auf, dass heute relativ wenig Betrieb zu sein scheint. Teilweise mag das an dem geteilten gesetzlichen Feiertag Mariä Himmelfahrt liegen, den es in Deutschland nur im Saarland und in überwiegend katholischen Gemeinden Bayerns gibt. Die großenteils protestantisch dominierten Franken müssen weitgehend auf den arbeitsfreien Tag verzichten.

Da die Oberpfalz an Ober- und Mittelfranken grenzt, nutzen viele oberpfälzer Familien den 15. August für einen gemeinsamen Einkaufsausflug in benachbarte fränkische Städte wie Marktredwitz, Bayreuth, Forchheim oder auch Nürnberg, für die heute ein Werktag ist. Der dortige Handel hat natürlich nichts dagegen. Bei uns allerdings scheint die Gastronomie ein wenig unter dieser „Landflucht“ zu leiden, was aber gewiss verschmerzbar ist.

Was bedeutet eigentlich Mariä Himmelfahrt? Wikipedia erklärt es so:

Mariä Aufnahme in den Himmel (lateinisch Assumptio Beatae Mariae Virginis ‚Aufnahme der seligen Jungfrau Maria‘), auch Mariä Himmelfahrt oder lateinisch Dormitio (‚Entschlafung‘), ist das Fest der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel am 15. August, das in manchen Staaten auch ein gesetzlicher Feiertag ist. Es wird mindestens seit dem 5. Jahrhundert begangen. Andere Bezeichnungen sind Vollendung Mariens oder Heimgang Mariens. …“

Der Feiertag

Auf der Mainzer Synode von 813 wurde unter Leitung von Erzbischof Richulf das Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel trotz einer vorangegangenen Vereinheitlichung der Feiertage dem Römischen Generalkalender hinzugefügt.[8] Mariä Himmelfahrt ist ein gesetzlicher Feiertag in Österreich (§ 7 Arbeitsruhegesetz), der Staatsfeiertag im Fürstentum Liechtenstein (Arbeitsgesetz Art. 18 Abs. 2), ein den Sonntagen gleichgestellter Feiertag in acht Kantonen der Schweiz (nach Art. 20a Abs. 1 ArG) sowie in sieben weiteren Kantonen ein zumindest in einigen Gemeinden arbeitsfreier Tag, in zwei Ländern Deutschlands zumindest teilweise ein gesetzlicher Feiertag, im Saarlandnach § 2 SFG[9] und in Bayern nach Artikel 1 Absatz 1 des Gesetzes über den Schutz der Sonn- und Feiertage (FTG) in Gemeinden mit „überwiegend katholischer Bevölkerung“.[10] Dabei ist „überwiegend“ nach Art. 1 Abs. 3 FTG nicht durch die absolute oder relative Mehrheit der Bevölkerung definiert, sondern nur durch den Vergleich der Mitgliederzahl der römisch-katholischen und der evangelisch-lutherischen Kirche in der jeweiligen Gemeinde. Daher ist der Tag zum Beispiel in München gesetzlicher Feiertag, obwohl der Bevölkerungsanteil der Katholiken in München nur knapp ein Drittel beträgt. Entsprechend den Bevölkerungsstatistiken ist Mariä Himmelfahrt derzeit in 1704 von 2056 (~83 %) bayerischen Gemeinden gesetzlicher Feiertag.[11]

Ebenfalls ein gesetzlicher Feiertag ist Mariä Himmelfahrt in einer Reihe weiterer überwiegend katholischer Länder, wie etwa Belgien, Frankreich, Italien, Kroatien, Litauen, Luxemburg, Malta, Polen, Portugal, Slowenien und Spanien, ebenso in den überwiegend orthodoxen Staaten Griechenland, Georgien, Rumänien und Zypern. …“

Ute hat heute aus der Kirche einen geweihten Kräuterstrauß mitgebracht (s. auch Titelfoto). An diesem Tag werden nämlich in der katholischen Kirche verbreitet auch Kräuter gesegnet. In Urkunden des 14. Jahrhunderts heißt es etwa „Unserer Lieben Frauen Wurzelweihe“.

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Die Kräuterweihe gehört zu den volkstümlichen Bräuchen der römisch-katholischen Kirche. Dieser Brauch ist schon seit dem 9. Jahrhundert bekannt[1]und ist in den letzten Jahren wieder mehr aufgelebt.[2] Dabei werden am HochfestMariä Himmelfahrt am 15. August Kräuter zu einem Strauß gebunden und mit zur Kirche gebracht. Dort werden diese im Gottesdienst oder im Anschluss daran vom Priester gesegnet. Die Kräuterweihe zählt zu den Sakramentalien. In manchen Orten Bayerns und Tirols beginnt damit auch die Zeit des Frauendreißigers.

Das Brauchtum geht vermutlich auf die Überlieferung des Kirchenvaters Johannes von Damaskus zurück, der zufolge dem leeren Grab Mariens bei seiner Öffnung ein Wohlgeruch nach Rosen und Kräutern entstiegen sein soll. …

‚Typische Kräuter neben Alant sind Echtes Johanniskraut, Wermut, Beifuß, Rainfarn, Schafgarbe, Königskerze, Kamille, Thymian, Baldrian, Eisenkraut und die verschiedenen Getreidesorten. In manchen Regionen wurden in die Kräuterbuschen so viele Alantblüten eingebunden, wie Menschen, Kühe und Pferde auf dem Hof lebten. Der Tee aus diesen geweihten Kräutern sollte besonders heilsam sein. Krankem Vieh wurden geweihte Kräuter ins Futter gemischt oder man warf zum Schutz vor Blitzschlag beim Gewitter Kräuter aus dem Buschen ins offene Feuer. …“

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