WoMo-Tour, Tag 11 (letzter Tag): Zwei kostenlose Stellplätze in der Oberpfalz

Obwohl sie relativ nah zu meinem Wohnort liegen, habe ich sie noch nie besucht: zwei kostenlose Wohnmobilstellplätze in zwei ehemaligen oberpfälzischen Kreisstädten, nämlich in Oberviechtach und Vohenstrauß. Auf meinem Heimweg aus dem Bayerischen Wald in den Oberpfälzer Wald will ich mir am Dienstag nun einen Eindruck verschaffen, was die jeweiligen Stadtväter für den Wohnmobiltourismus übrig haben und was sie gebührenfrei offerieren.  

Zuerst komme ich nach OVI (amtl. Kfz-Kennz.). Der Stellplatz am Freibad ist derzeit schwer anzufahren, weil eine umfangreiche Baustelle für zahlreiche Straßensperrungen, teils mit Beschilderung „Anlieger frei“ oder „Frei bis …“ und damit für Verwirrung sorgt. Wann darf oder soll man nun trotz Sperre den WoMo-Wegweisern folgen, wann nicht? Ich komme zwar in Badnähe auf einen Parkplatz, erkenne ihn aber mangels Beschilderung nicht als WoMo-Stellplatz. Erst als ich eine etwas „getarnte“ V/E-Säule entdecke, vermutete ich, dass hier auf dem gemischten Parkplatz auch der Stellplatz für Wohnmobile sein soll. Aber wo? Kein Hinweisschild, Markierungen nur für Pkws! Der Platz wirkt insgesamt etwas ungepflegt bis verwahrlost. Keine Einladung für Wohnmobilisten, nach Oberviechtach zu kommen!

Im Nachhinein erfahre ich, dass vielleicht der große Traktor der dort tätigen städtischen Arbeiter die Stellplatzbeschilderung verdeckt haben könnte.

Viel klarer sind die Verhältnisse beim Stellplatz an der Stadthalle in Vohenstrauß: begrünte, durch Hecken getrennte, gefällige und geräumige Parzellen am Rande eines großen Pkw-Parkplatzes, der wohl vor allem bei Veranstaltungen in der Stadthalle genutzt wird. Jede Parzelle mit eigenem Stromanschluss, V/E-Anlage, alles kostenlos! Da haben die Stadtväter Weitblick bezüglich der Entwicklung des Wohnmobiltourismus in ihrer Stadt und in der Region bewiesen. Der Dank an die Stadt und die Freude über solche Gastfreundschaft werden getrübt durch das Verhalten jener Zeitgenossen, die immer gleich auf der Matte stehen, wenn es etwas umsonst gibt. So auch hier!

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Gebührenfreier Stellplatz in Vohenstrauß mit V/E-Station und kostenlosem Strom

Mir ist er schon von weitem aufgefallen: ein Wohnwagen auf einer ausdrücklich für Wohnmobile reservierten Parzelle. Erst denke ich, das seien halt wieder mal Touristen, die es mit den Regeln nicht so genau nehmen, wie es auf Stellplätzen ja häufig zu beobachten ist. Das amtliche Kennzeichen des Caravans stammt aus dem Landkreis Haßberge. Dann aber trifft der Bewohner in einem Pkw mit Neustädter Kennzeichen ein, also ein Einheimischer. Wie ich später erfahre, soll er mit seinem Wohnwagen schon seit Wochen hier stehen. Sozusagen ein illegaler Dauercamper!

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Es handelt sich also ganz offensichtlich nicht um einen Durchreisenden. Er hält sich weder an die Nutzungsbeschränkung auf Wohnmobile noch an die Standzeitbegrenzung auf drei Tage. Stattdessen zapft der Schmarotzer anscheinend wochenlang kostenlos Strom und Wasser. Bei seinem Eintreffen holt er zudem aus seinem VW Variant einen Müllsack, um ihn in einen der bereitstehenden Müllbehälter zu versenken. Müll von daheim?

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Leider wird durch solche Freibiermentalität und die damit verbundene Zweckentfremdung der städtischen Leistungen die Gefahr heraufbeschworen, dass die Stadt ihren kostenlosen Service angesichts des Missbrauchs wieder einstellt. Wie so oft müssen dann alle Besucher leiden wegen einzelner Typen mit unverfrorenen, asozialen Verhaltensweisen, die, abgesehen von juristischen Aspekten, schlichtweg unanständig sind.

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Jede Parzelle mit Stromanschluss! Das verführt zum „Dauercampen“.

Wehret den Anfängen!

Außerdem ist es ärgerlich, wenn durch diese unzulässige Platzbelegung den Durchreisenden, bzw. Stadtbesuchern eine von insgesamt acht Stellflächen entzogen wird. Verwunderlich ist nur, dass der Missstand die betroffenen Behörden hier nicht einschreiten lässt. Auf dem Marktplatz hat man doch auch schnell ein Knöllchen, wenn die Parkzeit abgelaufen ist.

Wartet man beim Stellplatzproblem zu lange und duldet womöglich solche Unverfrorenheiten mit dem beliebten Argument „Toleranz“, könnte sich vermeintliches Gewohnheitsrecht daraus entwickeln und, wie auf anderen attraktiven kostenlosen Stellplätzen, weitere „Dauercamper“ anlocken. Der anreisende Wohnmobilist hätte dann schlechte Karten bei der Stellplatzsuche. Es sind ohnehin nur 8 Parzellen.

Übrigens ist auf dem großen Parkplatz genügend Raum selbst für mehrere Wohnwagengespanne. Sogar wenn Durchreisende mit ihrem Caravan zum einmaligen Übernachten ausnahmsweise und nicht ganz regelkonforme eine freie WoMo-Parzelle belegen würden, würde das wohl allgemein toleriert. Wochenlanges Dauercampen hingegen ist weder mit dem Wohnwagen noch mit dem WoMo akzeptabel und deshalb unzulässig. Für mich ist das u. a. Stromklau.

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Bleibt zu hoffen, dass man sich rechtzeitig kümmert, damit der vorbildliche WoMo-Stellplatz in Vohenstrauß weiterhin seinen eigentlichen Zweck erfüllen kann, ohne der Stadt vermeidbare Kosten zu verursachen. Auf die weitere Entwicklung darf man gespannt sein. Gebührenfreiheit hat eben zwei Seiten. Nicht nur in Vohenstrauß! Egoistische Schmarotzer, die keine Spielregeln beachten, gibt es leider überall. Vielleicht sollte die Stadt deshalb zumindest Stromautomaten aufstellen.

Update vom 20.05.2019:

Gestern sind wir auf unserem Sonntagsausflug zum Fahrenberg gegen Abend zufällig durch Vohenstrauß gekommen.

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Abendessen auf dem Fahrenberg: Schnitzel und Toast Hawaii

Wir warfen einen Blick auf den WoMo-Stellplatz an der Stadthalle. Alle acht Plätze waren von auswärtigen Wohnmobilen belegt. Der besagte Wohnwagen steht jetzt außerhalb des Großparkplatzes auf einem kleinen Pkw-Parkplatz. Offenbar hat man dem Nutzer aus NEW im Laufe der Woche nun doch klar gemacht, wozu die WoMo-Parzellen samt kostenloser Stromversorgung da sind. Jedenfalls nicht für Einheimische, die daheim Strom, Wasser und Müllgebühren sparen wollen!

Negativ aufgefallen ist mir noch ein Wohnmobil aus Kiel, das schon länger als drei Tage abgestellt ist, und zwar direkt neben dem Schild, das auf die Höchstparkdauer von drei Tagen hinweist. Man erkennt das WoMo bereits auf dem am Dienstag gemachten Titelfoto dieses Beitrages.

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