Corona: Wie lebt es sich mit bayerischer Ausgangsbeschränkung?

Die Corona-Pandemie hat die Welt fest im Griff. Obwohl wahrlich kein Informationsdefizit zu beklagen ist, scheinen manche Menschen den Ernst der Lage dennoch nicht zu begreifen. Während medizinisches Personal bis zum Umfallen schuftet, um Leben zu retten, meinen charakterlose Typen z. B.„Späßchen“ machen zu müssen, indem sie andere Menschen durch Anhusten und „Corona, Corona“-Rufe belästigen und gefährden.

Wieder Andere schrecken nicht davor zurück, Atemmasken und Desinfektionsmittel aus Kliniken zu stehlen, um sie teuer zu verkaufen. Nicht selten sieht man bei eBay dreistellige Wucherangebote. Genauso schlimm beurteile ich das verantwortungslose und unsolidarische Verhalten zahlreicher junger, aber auch älterer Menschen, die die empfohlenen (später angeordneten) Verhaltensregeln zur Unterbrechung von Infektionsketten aus meist egoistischen Motiven, aber auch Gedankenlosigkeit und Bequemlichkeit, mißachten und die Erkrankung vieler Mitbürgerinnen und Mitbürger billigend in Kauf nehmen. Auch die aus Italien gemeldeten Sterberaten scheinen die Spaßgesellschaft wenig zu beeindrucken.

Die Auffassung „Mich wird‘s schon nicht treffen, ich bin schließlich noch keine Siebzig.“ scheint verbreitet zu sein, ist aber inzwischen von der Realität überholt. Es gibt durchaus auch jüngere Schwersterkrankte und sogar Todesfälle. Jeder von uns tut also auch im eigenen Interesse gut daran, sich gewissenhaft an die behördlichen Anordnungen zu halten. Zuwiderhandlungen kommen in meinen Augen vorsätzlicher Körperverletzung gleich und müssen empfindlich bestraft werden.

Seit gestern um Mitternacht gelten deshalb in Bayern verschärfte Bestimmungen. Dass Bayern mit Ausgangsbeschränkungen begonnen hat, halte ich keineswegs für ein „bedauerliches Vorpreschen“, sondern für eine längst überfällige Maßnahme sowohl angesichts der Erkenntnisse und Erfahrungen beispielsweise aus China, Italien, Spanien oder Frankreich, als auch in Anbetracht der Uneinsichtigkeit weiter Teile der Bevölkerung, die dringende Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts und der Fachwelt bislang einfach ignorierten, selbst als die Schulen schon geschlossen waren.

Ich stehe nicht in Verdacht, Parteigänger von Markus Söder zu sein, doch begrüße ich aktuell dankbar seine mutigen Entscheidungen bezüglich der Bewältigung der Pandemie, obwohl auch ich jetzt lieber mit dem Wohnmobil unterwegs wäre.

Wie fühlt man sich nun so mit Ausgangsbeschränkung und „seiner persönlichen Freiheit beraubt“, wie Manche es offenbar empfinden und beklagen? Was stört mich an der ganzen Situation? Was finde ich vielleicht sogar gut?

Grundsätzlich bin ich bestürzt und enttäuscht darüber, dass solche einschneidenden Zwangsmaßnahmen in einer zivilisierten Gesellschaft aus vernunftbegabten Individuen überhaupt nötig sind. Wo steckt er denn, der oft beschworene „mündige Bürger“, der keine Vorschriften braucht und eigenverantwortlich das Richtige tut?

Mich stört, dass nun Alle unter Maßnahmen zu leiden haben, die von einem unsolidarischen, egoistischen Teil der „mündigen Bürgerinnen und Bürger“ provoziert wurden.

Mich stört, dass die Schutzmaßnahmen nach meinem Bauchgefühl so spät, womöglich zu spät, getroffen wurden, vor allem bundesweit.

Mich stört, dass ich beobachten muss, dass sich Menschen seit gestern halt nicht mehr im Freien treffen, sondern ihre Gruppe nun in Privaträumen feiert, einsichts- und rücksichtslos!

Mich stört, dass gerade im ländlichen Bereich wenig kontrolliert wird, was vermutlich personelle Gründe hat, wodurch aber die Wirksamkeit der angeordneten Maßnahmen u. U. unterlaufen wird.

Das empfinde ich sogar als Chance im Rahmen einer Ausgangsbeschränkung:

Entschleunigung mancher Gehetzter und Getriebener, die nun mal zur Ruhe kommen können. Abbau von Freizeitstress. Wiederentdeckung der Gemütlichkeit.

Förderung des Miteinander in der Familie oder Partnerschaft.

Besinnung auf das Wesentliche und Wertschätzung unseres funktionierenden Gemeinwesens.

Erkenntnisgewinnung darüber, was nach der Krise anders werden sollte.

(Neu-)Einschätzung des Charakters anderer Menschen aufgrund ihrer Verhaltensweisen in der Krise.

Langweilig ist uns nicht, denn im und ums Haus gibt es genug zu tun. Am Wohnmobil habe ich Muße für Optimierungen.

Außerdem sind da noch Bücher und die digitalen Medien.

Bei passendem Wetter kann man (allein oder mit Lebenspartner) spazieren gehen oder radeln.

Auch auf Balkon oder Terrasse kann man die Sonne genießen. Familienangehörige, die zusammen wohnen, dürfen auch zusammen grillen.

FAZIT: Die Ausgangsbeschränkung ist für begrenzte Dauer gut auszuhalten, vor allem wenn man sich vor Augen hält, wie entscheidend man durch Kontaktvermeidung und die Einhaltung sonstiger Verhaltensregeln dazu beitragen kann, dass einerseits Viele gar nicht erst infiziert werden und andererseits unser Gesundheitswesen nicht überfordert wird, um den Infizierten wirksam helfen zu können, egal ob alt oder jung.

Bleib’ daheim! Halte Abstand! Bleib‘ gesund!

Pflege Kontakte per Telefon, Skype oder eMail!


UPDATE (Sonntagabend):

Eben wird bekannt, dass sich Bund und Länder auf eine Verschärfung der Regeln in denjenigen Bundesländern geeinigt haben sollen, die nicht wie Bayern, Baden-Württemberg, Saarland und Sachsen ohnehin bereits eine Ausgangsbeschränkung verfügt haben. Diese Maßnahme der genannten Länder wird nach wie vor von anderen Länderchefs kritisiert und als „Vorpreschen“ bezeichnet. Stattdessen soll nun eine Art Kontaktverbot eingeführt werden, das die Zahl der sich im öffentlichen Raum versammelnden Menschen auf zwei beschränkt. Allerdings müssen diese nicht zum eigenen Hausstand gehören, wie das in Bayern bei erlaubten Spaziergängen vorgeschrieben ist, sondern es dürfen beliebige fremde Personen sein.

Hier meine persönliche Meinung dazu:

Damit sind neuen Infektionsketten vermutlich Tür und Tor geöffnet. Kein Wunder, dass Laschet (NRW) und Söder (BY) gestritten haben sollen!

Das Problem sind doch nicht die vernünftigen, ohnehin solidarischen Menschen, die sich freiwillig gewissenhaft an Regeln halten, sondern jene Verweigerer, die jede Einschränkung zu umgehen versuchen. Deshalb wird die heutige „Synchronisierung“ der Maßnahmen kaum einen positiven Effekt haben können. Wo bisher Gruppen von sechs, acht oder mehr Personen entgegen den Anordnungen beieinander standen, werden eben künftig viele Zweiergruppen umherstehen. Und das völlig legal und ohne Verbot eines möglicherweise fortwährenden Partnerwechsels unter den Zweiergruppen. Dem Virus dürfte es egal sein, in welcher Art Gruppe er sich fortpflanzen kann. Eine kurzsichtige, nicht zuende gedachte Regelung, die am Ziel, die Kurve der Neuinfektionen abzuflachen, vorbeigehen dürfte!

Bis man merkt, dass man so die Unvernünftigen nicht in den Griff bekommt, wird wieder kostbare Zeit verstreichen, was womöglich erneut Menschenleben kostet. Es steht zu erwarten, dass man sich dann in zwei Wochen wieder etwas einfallen lassen muss und sich erneut über Söder ärgert, weil der statt Herumgeeiere erneut das bessere Krisenmanagement bewiesen haben wird, dem man planlos hinterherhechelt. Ziemlich unverantwortlich und enttäuschend, denn wir haben eigentlich keine Zeit zu verschenken! Jeder unnötige Krankheits- oder Sterbefall ist einer zuviel.

Bleibt nur zu hoffen, dass ich unrecht habe und die Unvernünftigen doch noch vernünftig werden. Jedenfalls bin ich derzeit froh, in Bayern zu leben.

Niemand weiß, ob er oder sein Gegenüber nicht schon infiziert ist.

Deshalb hilft nur NULL KONTAKT!

Man sieht es an unserer Kanzlerin, die nun auch in Quarantäne muß, wie vorhin gemeldet wurde.

Leute, nehmt die Sache ernst!

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