„Jubiläum”😷🦠😷 — Ein Jahr Pandemie aus der Sicht eines Nordoberpfälzers

Kurz nachdem ich voriges Jahr am 29. Februar auf dem Adlersberg gerade noch einen „echten“ Geburtstag feiern konnte, machte sich auch in Deutschland das Corona-Virus breit, bzw. wurden wir uns erstmals der Gefahr bewusst, die von ihm ausgeht. Es jährt sich also nicht nur der Tag meiner Geburt, sondern, weit weniger erfreulich, auch der Beginn der Pandemie in unserer Region und letztlich auf der ganzen Welt.

Schon am Tag nach dem Verwandtschaftstreffen anlässlich meines Achtzehnten beim Prößlbräu, also ab März, begaben wir uns in freiwillige häusliche Quarantäne. Seither verhalten wir uns vorsichtig und regelkonform, auch zu Zeiten von Lockerungen im Sommer. So konnten wir bisher dem Virus ein Schnippchen schlagen, während es mehrere Bekannte und Freunde im Laufe der Monate leider mehr oder weniger schlimm erwischte. Sogar Todesfälle waren zu beklagen. Ich berichtete teilweise im Blog.

Nach einem Jahr Pandemie mit entsprechenden Hygienemaßnahmen schaut es nun danach aus, als würde sich das ursprüngliche Corona-Virus nun von Mutanten, insbesondere von der englischen Variante, ablösen lassen, die ansteckender und gefährlicher sein soll. Der sog. „Lockdown“ wurde deshalb aktuell um einen Monat bis Ende März verlängert.

Begleitet wird diese Maßnahme von einigen inzidenzabhängigen branchenbezogenen Öffnungen, die von verschiedenen Ärzten und Virologen allerdings nicht gerade begrüßt werden. Auch ich meine, dass es klüger und sicherer wäre, mit Lockerungen erst mal abzuwarten, bis wenigstens alle Risikogruppen geimpft sind, zumal die Infektionszahlen aktuell wieder ansteigen.

Bedenklich finde ich vor allem eine Lockerung der Kontaktbeschränkungen, wo man doch weiß, dass die meisten Ansteckungen im privaten Bereich passieren. Es würde ja eigentlich genügen, die AHA-Regeln konsequent anzuwenden, denn mit mind. 2 m Sicherheitsabstand und FFP2-Maske wäre das Infektionsrisiko äußerst gering.

Da man aber seine Pappenheimer kennt und weiß, wie nachlässig auf die Corona-Regeln geachtet wird, bleibt leider nichts anderes übrig, als mit Verboten, Beschränkungen und Lockdowns zu versuchen, das Schlimmste zu verhindern. Der Erfolg hält sich dennoch in Grenzen, weil Viele erwartungsgemäß nach dem aus dem Straßenverkehr bekannten Motto handeln: Beschränkung auf 100 km/h — da fahre ich mindesten 120 km/h. Solche selbst genehmigten Toleranzen wendet man z. B. auch bei der Abstandsregel an: Aus 1,5 m wird schnell 1 m und weniger. Oberflächlichkeiten beobachtet man auch beim Gebrauch der MNS-Masken: So tragen gar nicht wenige Menschen die Maske unter der Nase und machen sie damit wirkungslos.

In der Summe tragen viele kleine, oft unbewusste Nachlässigkeiten und dumme Angewohnheiten vermutlich dazu bei, dass die verordneten Maßnahmen unzureichende Wirkung zeigen und Lockdowns gegen dieses diffuse Infektionsgeschehen sich endlos hinziehen. Dumme, unüberlegte Angewohnheiten sind z. B. die Faust zum „Coronagruß“ oder auch der Gruß per Ellenbogen. In beiden Fällen kommt man sich unnötig nahe. Bei „Faust gegen Faust“ könnte man sich zudem ebenso per Handschlag begrüßen, denn in beiden Fällen findet eine u. U. gefährliche Hautberührung statt.

Das Fernsehen spielt für das Verhalten der Bevölkerung m. E. eine große Rolle, denn über dieses Medium werden die fragwürdigen Verhaltensvorbilder verbreitet, an denen sich unkritische Menschen orientieren. „Was dem Politiker recht ist, ist mir billig.“ „Was Sportler und Prominente können, kann ich auch.“ usw.

Da ein Teil der Bevölkerung sehr sorglos und unüberlegt mit dem Infektionsrisiko umgeht, um sich gleichzeitig darüber zu beschweren, dass die Beschränkungen so lang dauern, die sie selbst mit verursachen, sehe ich leider vor einem durchschlagenden Impferfolg keine Chance für eine Entspannung der Lage. Ich betrachte das Geschehen aus der Sicht eines Nordoberpfälzers, der um sich herum lauter Corona-Hotspots weiß. In anderen Regionen stellt sich Gott sei Dank das Infektionsgeschehen deutlich entspannter dar.

Gut finde ich deshalb, dass man endlich von der Forderung abrückt, in ganz Deutschland müssten dieselben Maßnahmen zur Bekämpfung der Epidemie ergriffen werden. Infektionsereignisse finden regional statt und müssen auch dort gezielt bekämpft werden. Bei diffusem Infektionsgeschehen u. U. auch mit Ausgangssperren für einzelne Orte oder Viertel, wie vergangenes Jahr in Mitterteich.

Während zu Beginn der Pandemie Politiker wie Söder beherzt und wirksam durchgriffen und das Hauptdiskussionsthema das Bestreben war, „vor die Welle zu kommen“, ergeht man sich jetzt u. a. in Luxusdiskussionen um Fragen wie die, ob Osterurlaub im Ausland möglich sein wird. Man sollte sich auf die Eindämmung der Pandemie und den Schutz von konkret gefährdeten Menschenleben sowie Wirtschaftsgütern konzentrieren. Ist die Pandemie im Griff, ist automatisch auch wieder Vieles möglich. Manche scheinen riskieren zu wollen, noch kurz vor dem rettenden Ufer abzusaufen.

Die propagierten Selbsttests helfen hier auch nicht weiter, denn sie machen eigentlich keinen besonderen Sinn. Zum Einen sind sie sehr fehlerhaft (25%), wie Fachleute erklären, zum Anderen stellen auch korrekte Ergebnisse nur eine Momentaufnahme dar. Schon nach Stunden kann eine negativ getestete Person positiv, also infektiöser Virusträger sein. Ähnliches gilt für die von Fachpersonal durchgeführten Schnelltests, die aber als Zutrittslegitimation an Grenzen oder bei Einrichtungen anerkannt sind. Keinesfalls dürfen Tests in Sicherheit wiegen und unachtsam werden lassen. Die AHA-Regeln gelten immer und überall, denn jeder Test stellt eben nur eine Momentaufnahme dar, die schnell überholt sein kann.

Wenn ich heute aus dem Fenster schaue, frage ich mich, welchen Sinn es macht, die Schulen geschlossen zu halten, wenn sich ganze Schülercliquen privat treffen, ohne Abstand, ohne Masken, unter Missachtung der derzeitigen Kontaktbeschränkungen in unserem Landkreis: 1 Hausstand + 1 Person. Und das unter den Augen der Eltern, denen das egal zu sein scheint, darunter sogar Pädagogen und Mandatsträger.

Verwundert ist man auch über Meldungen wie: „…Bis zum 1. März sind in den bayerischen Impfzentren 3.021 Impfdosen verworfen worden, teilt das Bayerische Gesundheitsministerium auf Anfrage des BR mit. Gemeint ist: Die Vakzine landeten im Müll, statt im Oberarm von Impfwilligen….“

Hoffentlich gelingt es trotzdem, u. a. mit Hilfe von Hausärzten und Apothekern, vor allem die Risikogruppen zügig zu impfen, damit das (mutierte) Virus kein weiteres „Jubiläum“ erlebt.

Und das Wichtigste dabei nicht vergessen: ABSTAND — ABSTAND — ABSTAND!!!

2 Gedanken zu “„Jubiläum”😷🦠😷 — Ein Jahr Pandemie aus der Sicht eines Nordoberpfälzers

  1. Du magst Recht haben Werner, aber trotzdem kann man die Stellplätze öffnen, den jeder ist ja in siener eigenen Quarantäne im Fahrzeug und somit ohne Kontakt !!
    Mir erschließt es sich nicht, warum die Stellplätze geschlossen sind.
    Ade

    1. Was du schreibst, mag vielleicht für dich und mich gelten, die meisten Wohnmobilisten aber halten es erfahrungsgemäß nicht aus, auf Abstand gehen zu sollen und bilden Runden für Fachsimpeleien und einen gemeinsamen Umtrunk. Das konnte man vergangenes Jahr nach der Wiederöffnung der Stellplätze beobachten.
      In RP sind die Stellplätze übrigens seit vorgestern wieder offen. In BY werden Beherbergungsbetriebe, zu denen man auch Camping- und Stellplätze zählt, am 21. Mai geöffnet. Je nach Inzidenz gelangen jeweils angepasste Hygieneregeln zur Anwendung. Ich halte noch aus bis zwei Wochen nach meiner Zweitimpfung, die kommenden Mittwoch stattfindet. Dann gelte ich als voll geschützt und vermeide den lästigen Test alle 48 Stunden, was in meinen Augen ohnehin nur eine 50%ige Zuverlössigkeit bietet. Im Juni kann ich also mit gutem Gefühl wieder auf Tour gehen.
      Gruß Werner

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