Autobahnverbrauchstest eGolf (1)

Statt mit dem Volvo C 70 und offenem Cabrio-Verdeck fuhren wir am Donnerstag trotz herrlichen Sommerwetters mit dem vollelektrischen eGolf nach Regensburg, um mein Elterngrab zu besuchen, denn ich wollte den eGolf erstmalig im längeren Autobahnbetrieb testen. Wieviel Strom würde sich der Elektro-VW bei Geschwindigkeiten bis 150 km/h auf einer BAB-Strecke von gut 100 km genehmigen?

Mit einer Reichweite von 231 km nach WLTP ist der eGolf kein Fahrzeug für die Langstrecke auf der Autobahn, sondern eher das Alltagsauto für tägliche Erledigungen im Kurzstreckenverkehr und die bequeme Nachladung in der heimischen Garage. Neugierig war ich dennoch, wie sich das Auto bei flotter Autobahnfahrt schlagen würde.

Wie meistens nach unseren Friedhofsbesuchen, war auch ein Abstecher auf den Adlersberg in den Biergarten der Brauerei Prößl vorgesehen. Den Rückweg planten wir dann über die Landstraße durchs Naabtal und über die B15 bis Luhe-Wildenau. Von dort wollten wir das Stadtgebiet von Weiden i. d. OPf. zur Hauptverkehrszeit über die A93 umfahren. Also nochmal rund 15 km Autobahn! Es waren nach Regensburg und zurück mit dem Volvo meistens insgesamt so um die 225 km gewesen, je nach Länge der Umwege und Abstecher.

Mein Ziel war es nicht, ohne Nachladen auszukommen, denn bei Autobahntempo würde das kaum stressfrei zu schaffen sein. Ich wollte fahren wie mit dem Volvo, ohne über den Verbrauch nachzudenken und ohne auf der BAB zum Verkehrshindernis zu werden. Deshalb plante ich auf alle Fälle einen kurzen vorsorglichen Ladestop von 15 bis 20 Min. in Regensburg ein.

Die Witterungsbedingungen waren geradezu ideal: trocken, ca. 20 – 25°C, wenig Wind. Auch der Verkehr war größtenteils mäßig. Nur in Regensburg staute es sich ein wenig. Die reine Autobahnstrecke konnten wir also durchrauschen.

Wie beim Volvo wählte ich am Abstandstempomat Richtgeschwindigkeit (130 km/h). Streckenweise konnte ich aber auch 150 km/h fahren. Auf dem Heimweg sollte es dann geruhsamer zugehen: mit 70 – 100 km/h über Bundes- und Landstraßen. Zum Schluss aber noch 15 km A93 mit 120 km/h um Weiden herum!

Auf dem Evangelischen Zentralfriedhof freue ich mich immer wieder über die Bequemlichkeit, das Auto in Nähe des Grabes abstellen zu können und die Grabpflegeutensilien nicht so weit tragen zu müssen. Ältere Herrschaften wie wir wissen das zu schätzen.

Die Reichweitenanzeige im eGolf prognostizierte noch 113 km für die bevorstehende Strecke von ca. 110 km zurück nach Neustadt. Etwas knapp! Deshalb wollte ich kurz nachladen, zumal eine Schnellladesäule der REWAG in der Kirchmeierstraße bequem am Weg nach Adlersberg liegt.

Das Navi führte uns zielsicher zur Ladestation. Die ADAC-App Mobility+ (EnBW) hatte mir schon am Friedhof signalisiert, dass der CSS-Anschluss frei sei. Er war es beim Eintreffen immer noch. Ich steckte den Ladestecker der Säule beim eGolf ein und authentifizierte mich mittels der RFID-Karte von EnBW (ADAC) an der Lesefläche der Station.

Da die Sonne auf das Display schien, waren Anzeigen und Anweisungen zunächst ganz schlecht erkennbar, sodass ich nicht recht wusste, welche der Tasten zum Starten des Ladevorganges betätigt werden muss. Während ich noch etwas auf dem Display zu lesen versuchte, startete das Laden von selbst, ganz ohne Drücken einer Taste. Man muss sich also nur anstöpseln und authentifizieren. Der Rest geht automatisch.

Mühsam konnte ich entziffern, dass mit 40,2 kWh geladen wurde, was für den eGolf optimal ist. Das Werk gibt nämlich 40 kWh als Höchstladeleistung für die ca. 36 kWh große Batterie an. Diese Ladeleistung hält der eGolf mindestens bis 80% SOC durch, wie ich schon bei anderer Gelegenheit festgestellt hatte. Damit lädt der eGolf gar nicht so viel langsamer als andere eAutos, die zwar mit höherer Leistung zu laden beginnen, aber dann erheblich nachlassen, oft schon bei 50% SOC. Im Schnitt sind sie damit gar nicht so sehr im Vorteil.


Dennoch spielt das für mich keine große Rolle, weil das Schnellladen bei uns ganz selten stattfindet. Üblicherweise wird das Auto daheim geladen. Da kostet der Ladevorgang keine zusätzliche Zeit, weil das Auto sowieso steht. Er kostet auch weniger Geld, weil der Strom nur halb so teuer ist. Nicht zuletzt soll das Langsamladen (bei mir mit 10 A am 230V-Haushaltsstrom) gesünder für die Batterie sein und ihren Alterungsprozess verlangsamen, wie Fachleute sagen.

Laden in der heimischen Garage
Das serienmäßige „Notladekabel“ kann mit 5A, 10A, 13A oder MAX. von der Haushaltssteckdose laden.

Als an der REWAG-Station nach ca. 20 Minuten 200 km Reichweite im Auto vorhanden waren, beendete ich den Ladevorgang durch erneutes Hinhalten der RFID-Karte an die Lesefläche oberhalb des Displays und steckte ab. Die EnBW-App verriet mir, dass ich 15,4 kWh für 8,01 € geladen hatte. Der Betrag wird abgebucht. EnBW macht das monatlich. Beim Laden in der heimischen Garage kostet diese Strommenge etwa die Hälfte.

Schlecht lesbares Display, zumindest bei Sonnenschein

Überraschend günstig war die Bilanz, die die VW We Connect App über die Autobahnfahrt zog. Demnach hatte der eGolf im Schnitt 16,0 kWh konsumiert. Und das ohne Spareinstellungen, also im normalen Fahrmodus, Fahrstufe D, Klimatisierung auf 21°C und bei Geschwindigkeiten bis 150 km/h!

Auch im Info-Display wird u. a. der Durchschnittsverbrauch ab Laden angezeigt.

Auf dem Adlersberg war der Biergarten des Prößl-Bräu gut besucht. Weil es aber schon 14.00 Uhr war und die Mittagskarte nun nicht mehr gültig war, lichteten sich die Reihen der Mittagsgäste zusehends.

Wir bekamen doch noch eine warme Mahlzeit und zwar meine Lieblingsbrotzeit auf dem Adlersberg: Brüstl mit rescher Kruste und Kartoffelsalat. Ich glaube, das gibt es nirgends so lecker wie hier. Dazu ließen wir dunkles Bier auf zwei Gläser verteilen.

Brüstl mit Kartoffelsalat

Das nächste Ziel war, wie so oft, die Klosterwirtschaft in Pielenhofen an der Naab. In dem alten, urigen Gasthaus kann man angenehm schattig auf der Naabterrasse sitzen und auf den Fluss, das Wehr und das gegenüberliegende Ufer blicken.

Kloster Pielenhofen
Blick von der Naabterrasse

Wir nahmen nur einen Eiskaffee, der zwar etwas besser und größer war als der kürzlich in Vohenstrauß, aber bei weitem nicht an jenen im Gasthof zur Post in Bärnau heranreicht.

Über Kallmünz, Burglengenfeld, Schwandorf und Weiden ging es dann ohne weitere Unterbrechung nach Hause.

Erfreut konnte ich in der We Connect App den recht akzeptablen Durchschnittsverbrauch für die Tour nach Regensburg und zurück ablesen: 15,1 kWh/100 km. Zwar unter idealen Bedingungen, aber immerhin!

Derzeit registrieren wir im Alltag ohne Autobahn Verbräuche von 13 kWh und darunter. Für eAutos muss man das als witterungsbedingte „Sommermärchen“ werten, zumal wir nicht auf sparsames Fahren achten und nicht die serienmäßigen Leichtlaufreifen, sondern Ganzjahresreifen benutzen. Im Winter werden die Verbrauchsdaten dann gewiss auf Durchschnittswerte von 16 kWh und mehr klettern.

2 Gedanken zu “Autobahnverbrauchstest eGolf (1)

  1. Servus Werner,
    kannst du deine Rechnung mal in Zahlen, also Euronen ausdrücken. Was kostet der Golf auf 100 Kilomter ?

    Ade

    1. Hallo Jorgito,
      das schwankt natürlich wie beim Verbrenner je nach Verbrauch und Tankstelle, bzw. Ladequelle. Gehen wir mal von den durchschnittlich 15 kWh/100 km aus und vom Laden an der heimischen Steckdose in der Garage, dann ergibt sich bei unserem derzeitigen KWh-Preis von 0,27 € eine einfache Rechnung: 15 x 0,27 € = 4,05 € / 100 km.
      An der öffentlichen Schnellladesäule beträgt der Strompreis über den ADAC/EnBW-Tarif nach einer kürzlich erfolgten Erhöhung nun 0,48 € / kWh. In unserem Beispiel kosten die 100 km dann 7,20 €.

      Zum Vergleich:
      Mein Volvo C70 braucht 10 l Superbenzin auf 100 km. An der Jet-Tankstelle in unserer Nähe kostet der Liter zur Zeit 1,609 €. Die benötigten 10 l kosten also 16,09 €.
      Das Wohnmobil schluckt gut und gern 12-14 l Diesel auf 100 km. Diesel kostet bei uns aktuell 1,399 € pro Liter. Die gleiche Strecke mit dem WoMo kostet mich somit mindestens 16,79 € (bei 12 l Verbrauch).

      Fazit: Unterwegs laden ist deutlich teurer als an der heimischen Steckdose, aber die Kosten auf 100 km sind auch dann noch über 50% niedriger als bei meinem Volvo Benziner und meinem Diesel-Wohnmobil, von den sonstigen Betriebskosten ganz zu schweigen.
      Der Vergleich könnte sich noch zu Gunsten des eGolf verschieben, wenn man berücksichtigt, dass er im Alltagsbetrieb oft nur rund 13 kWh/100 km braucht. Umgekehrt schluckt der FlairLIFE eher 14 l auf 100 km als 12. Modernere Verbrenner als meine werden günstiger abschneiden.
      Gruß
      Werner

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