eGolf: Ein Jahr vollelektrische Erfahrung

Vor genau einem Jahr, am 10./11. November 2020, wurde unser eGolf 300 mit dem amtlichen Kennzeichen NEW ID 22E zugelassen und im Autohaus Stegmann in Weiden abgeholt. Heute kann ich eine erste Jahresbilanz ziehen. Und zwar eine erfreuliche!

Fahrzeugübergabe im Autohaus vor einem Jahr:

Vom ersten Tag an bis heute stellt sich der vollelektrische Golf als höchst verlässliches, komfortables und anspruchsloses Auto dar, das dadurch auch besonders wirtschaftlich ist. Im Vergleich zu meinem Volvo C70 (170 PS, Fünfzylinder, Superbenzin) betragen die Energiekosten gerade bei den aktuellen Treibstoffpreisen nur ein Viertel.

Das bedeutet in der Praxis: Für eine Fahrt nach Regensburg (hin und zurück ca. 200 km) kostet der Treibstoff beim Volvo zur Zeit mindestens 35 €, mit dem eGolf ca. 9 € je nach Fahrweise und Ladequelle. Selbst bei Nutzung von Schnellladesäulen bleiben die Stromkosten unter 20 €. Die Ersparnis für eine Regensburg-Fahrt beträgt also zwischen 15 € und 25 € gegenüber dem Benziner.

Etwa monatliche Besuche auf dem Ev. Zentralfriedhof in Regensburg:

Vergleicht man die Betriebskosten darf man die erforderliche Wartung nicht vergessen. Jeder von uns weiß, wie hoch ein Benziner in der Werkstatt auch schon in den ersten Jahren zu Buche schlägt. Beim eGolf ist der erste Service nach zwei Jahren vorgeschrieben oder nach 30.000 km. Er soll rund 100 € kosten. Die allgemeine Garantie beträgt mit Verlängerung fünf Jahre. Auf die Batterie gibt es acht Jahre, bzw. bis 160.000 km. Das ist bei den meisten eAutos ähnlich.

Der durchschnittliche Stromverbrauch übers Jahr pendelte sich auf rund 14 kWh / 100 km ein. Bei Autobahntempo eher mehr, auf der Landstraße und in der Stadt eher weniger. Besondere Economy-Funktionen nutzen wir nicht. Durch das elektrische Heizen von Sitzen und Scheiben, aber auch des gesamten Innenraums steigt im Winter der Stromverbrauch etwas. Ohne Wärmepumpe wäre das wahrscheinlich gravierender.

Der Winterbetrieb war überraschend angenehm, weil man dank Heizungsvorprogrammierung (auch per App) und el. beheizten Scheiben (Front und Heck) nie Eis abkratzen und nur ganz selten Schnee abräumen musste. Im Sommer wird ebenso komfortabel gekühlt. Aber auch ohne Vorprogrammierung arbeitet die Klimatisierung (Heizen und Kühlen) ausgesprochen effizient. Nach wenigen hundert Metern herrscht bereits Wohlfühltemperatur. Das kann mein Volvo C70 nicht so perfekt, obwohl er schon vor 15 Jahren das zweieinhalbfache gekostet hatte.

Beim Kostenvergleich ist auch nicht zu vergessen, dass eAutos zehn Jahre steuerfrei fahren und die Versicherung meist recht günstig ist. Angenehm ist auch, dass z. B. in Weiden das Parken für eAutos kostenlos ist. Mancherorts (z. B. in Regensburg) darf man die Busspuren benutzen, wenn sich der Verkehrs staut.

Unsere Erfahrungen mit dem eGolf über die ersten 12 Monate waren somit durchwegs positiv. Das Auto ist sein Geld wert.

Bekannte Kritikpunkte am eGolf 300 wie die relativ geringe Reichweite von 200 bis 250 km mit einer Batterieladung sind für uns nicht relevant, weil das Auto als Nachfolger unseres Polo keine großen Strecken am Stück zurücklegen muss. Kurzstrecken für tägliche Erledigungen und Einkäufe zählen zu seinen primären Aufgaben. Zu diesem Fahrprofil passt das Auto wie angegossen.

Dennoch kann man durchaus auch weiter fahren. Dann wird halt unterwegs mal 20 oder 30 Minuten lang am CCS-Charger nachgeladen.

CCS-Lader in Regensburg

Im Alltag schaut’s aber so aus: Im Schnitt täglich rund 30 km Erledigungsfahrten. Die übrige Zeit steht der eGolf herum. Diese Zeit kann man zum Nachladen der entnommenen Energie bequem und kostengünstig nutzen und zwar in der heimischen Garage. Hier stecke ich ihn über das mitgelieferte Ladekabel an die Haushaltssteckdose an. Eine Wallbox habe ich mir nach Begutachtung durch den Elektriker gespart, denn mit einstellbaren 5 oder 10 A Ladestromstärke wird die vorhandene Elektroinstallation nicht überlastet.

Im Sommer wird durchwegs mit 10 Ah geladen. Im Winter allerdings ist dieselbe Steckdose gleichzeitig Landstromanschluss für’s Wohnmobil. Ist dann der Frostschutz in Form der Alde-Heizpatrone aktiv, reduziere ich die Ladestromstärke für den eGolf auf 5A. So ist sichergestellt, dass die Steckdose nicht warm wird. In jedem Fall ist die Fahrbatterie bis zum nächsten Tag wieder voll. Das langsame Laden soll zudem der Batterielebensdauer zuträglich sein. Dieser Wechsel zwischen Nutzung des Fahrzeuges und Aufladung, wenn es nicht gebraucht wird, hat sich übers Jahr hervorragend bewährt. Kein einziges Mal konnte wegen Strommangel nicht gefahren werden.

Einige wenige Male habe ich auch kostenlos an der AC-Ladestation an unserer Stadthalle geladen.

Ladesäule an der Stadthalle Neustadt

Leider kommt der Volvo C70 somit kaum noch zum Einsatz. Weitere Fahrten mache ich ohnehin mit dem Wohnmobil. Ich überlege schon, ob ich das C70 Cabrio verkaufen soll.

Unser Volvo C70

Beinahe hätte ich vergessen, zu erwähnen, dass wir nachträglich auch etwas verändert haben an der Serienausführung des eGolf: Zum Einen zog der Händler auf meinen Wunsch hin Ganzjahresreifen auf, zum Anderen wollten wir das Auto ein wenig individualisieren und ließen das Dach schwarz folieren.

Folieren des Daches

Gibt es denn gar nichts Kritikwürdiges bei eurem eGolf?, werden Einige fragen. Antwort: Nichts von Bedeutung! So wurde z. B. die Feinstaubplakette beim Neufahrzeug vergessen. Dass sie noch immer fehlt, ist allerdings meine eigene Schuld. Ich sollte längst mal zum Autohaus fahren, um das nachholen zu lassen.

Dagegen gibt es einige Features, die mir am eGolf besonders gut gefallen. Neben der Klimatisierungstechnik und der Steuerung per App nutze ich regelmäßig den Abstandstempomat, den Spurhalteassistenten und das One-Pedal-Driving. Highlights sind für mich auch das Matrix-LED-Licht, Kurvenlicht und die diversen Notbremsassistenten, bzw. Warnsignale. Der Rangierassistent hat bereits mehrmals Kratzer und Beulen verhindert.

Nicht zuletzt gefallen auch der geräumige, mit hochwertigen Materialien gestaltete, zeitlose Innenraum, das moderne Infotainmentsystem u. a. mit präzisem Navi, Digitalradio und CarNet sowie Apple CarPlay. Sogar ein gekühltes Handschuhfach besitzt der eGolf. Mehr zur umfangreichen Serien- und Sonderausstattung meines vollelektrischen Volkswagens gibt es hier: https://werner-hayn.de/2021/02/08/mein-egolf-nach-1500-kilometern-und-ein-jahr-nach-bestellung/

LED-Matrixscheinwerfer

Meine Freunde Harald und Jochen besitzen inzwischen auch eAutos. Jochen entschied sich Anfang des Jahres für einen Renault Zoe Vorführwagen. Harald übernahm kürzlich einen neuen Hyundai Kona, den vorwiegend María fährt. Für sich selbst und als Familienauto hat Harald einen Ioniq5 bestellt, der im Frühjahr kommen soll. Die Familie der Vollstromfahrer/innen wird zusehends größer.

Haralds neuer Hyundai Kona

Wir hoffen, dass auch das zweite Jahr mit dem eGolf so reibungslos und angenehm verläuft wie das erste.

Mit dem eGolf unterwegs in der nördlichen Oberpfalz:

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