Dem WoMo-Boom folgte das Gejammer auf den Fuß

Im (Be-)Klagen sind wir Deutsche ja angeblich spitze. Das scheint auch für den Camping-Boom zu gelten, über den sich die Einen freuen und welcher Anderen Platzangst einjagt. Dabei werden völlig normale Vorgänge und Entwicklungen dramatisiert bis hin zu Schuldzuweisungen für vermeintlich fehlende Stellplatzkapazitäten. 

Hersteller und Händler von Freizeitfahrzeugen haben natürlich nichts gegen den regen Zuspruch, den ihre Produkte erfahren. Umsatz- und Zulassungsrekorde sind die Folge. Dennoch bedeutet nicht jedes neu zugelassene Wohnmobil, dass schon wieder ein Urlauber mehr unterwegs ist. Sehr viele Camper steigen dem Trend folgend nur vom Wohnwagengespann auf ein Reisemobil um. Gewiss nicht immer eine vorteilhafte Entscheidung für sie selbst. Das muss aber jeder Camper selbst beurteilen und schlimmstenfalls „ausbaden“. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass es oft diese „Umsteiger“ sind, die mit den ungewohnten Bedingungen auf WoMo-Stellplätzen nicht zufrieden sind.

Die Betreiber des Campingparks Oberammergau, den wir seit Jahren immer wieder mal besuchen, erzählten uns, dass zahlreiche Stammgäste, die jahrelang mit Wohnwagen gekommen waren, nun eben ein Wohnmobil besitzen. Durch diese Mobilisten ändert sich weder die Gesamtzahl der Camper auf dem CP noch deren Verhaltensweise. Zur Hauptreisezeit, auch über Silvester, war der Campingpark schon immer gut besucht, bzw. ausgebucht. Trotzdem fand und findet ein spontaner Übernachtungsgast auf Durchreise in den allermeisten Fällen hier nach wie vor ein Plätzchen, wie wir beobachten konnten.

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Auf die Belegung von WoMo-Stellplätzen dürfte sich diese Umorientierung vom Gespann zum WoMo allerdings schon auswirken. Kürzlich bekam ich im Restaurant ein Gespräch zwischen Campern mit. Man habe jetzt den Wohnwagen gegen ein Wohnmobil getauscht. Nun könne man auch legal Wohnmobilstellplätze benutzen, die oft nur ein Drittel einer Campingplatzgebühr kosten. Häufig komme auch gar niemand zum Kassieren. So spare man im Vergleich zum Caravan eine Menge Geld.

Vielleicht liegt in solchen Ansichten und Überlegungen mit eine Ursache für den allzu regen Besuch mancher Stellplätze, vor allem derjenigen, die nahezu gewohnten CP-Komfort bieten.

Viel Fantasie beweisen manche Zeitgenossen, wenn es darum geht, „Schuldige“ für vermeintliche Stellplatzknappheit zu suchen. Nach den bösen Rentnern, die angeblich Familien die Plätze wegschnappen, hat ein Kommentarschreiber nun die Reiseblog-Schreiber(innen) quasi als Anstifter ausgemacht. Sinngemäß: Sie seien (unabsichtlich) durch ihre tollen Artikel mitverantwortlich dafür, dass sich so viele Menschen zu dieser Urlaubsform verführen lassen.

Abenteuerlicher Unsinn! Die Werbung der Freizeitindustrie, gepaart mit oben geschilderter Denkweise mancher Camper, reicht völlig aus, um u. a. Appetit auf romantischen, naturnahen Campingurlaub, besser gesagt preiswerten Stellplatzurlaub, zu machen. Warum auch nicht? Dass Reklame nicht unbedingt die Realität widerspiegelt, müsste der mündige Bürger inzwischen wissen.

In den Blogs dagegen ist neben attraktiven Aspekten des Wohnmobilistendaseins auch so viel Problembehaftetes zu lesen, dass dadurch gewiss nicht die kostspielige Entscheidung zum Kauf eines WoMos besonders gefördert wird. Man muss das Herumzigeunern und diese Art zu wohnen sowie mit der zugehörigen Technik umzugehen einfach mögen. Nicht jeder Reisende möchte beispielsweise alle paar Tage eine Kassette mit Fäkalien erst schleppen und dann ausleeren. Nicht zuletzt muss man sich ein WoMo natürlich auch leisten können. Ein WoMo-Urlaub ist bei weitem kein Billigurlaub, wie manche Interessierte denken mögen. Aber er ist noch immer etwas ganz Besonderes, meine ich, nicht nur beim „Glamping“ (Glamorous Camping) im Luxus-Liner, sondern vor allem beim Globetrotten.

Warum also ständig die gar nicht so katastrophale Stellplatzsituation beklagen und kritisieren? Kaum jemand regt sich doch über ausgebuchte Flüge und Hotels auf oder über volle Pkw-Parkplätze und kilometerlange Staus auf den Autobahnen. Genießen wir lieber unser WoMo-Hobby und arrangieren wir uns mit den Verhältnissen! Das ginge allerdings leichter, würden sich alle Beteiligten in unserer Ellenbogengesellschaft an die Regeln halten und angemessene Rücksichtnahme üben.

Für die Zukunft könnte ich mir vorstellen, dass sich der Trend sogar wieder etwas dem Wohnwagengespann zuwendet, sobald mancher neue WoMo-Besitzer merkt, dass seine Urlaubsvorlieben doch die Nutzung eines teuren Wohnmobils nicht sonderlich sinnvoll erscheinen lassen. Stationäre Urlaubsaufenthalte (im Sommer drei oder vier Wochen Adria, im Winter 14 Tage Alpen, dazwischen womöglich Dauercamping anstelle der Gartenlaube) sind prädestiniert für Pkw und Wohnanhänger. Kann man doch beispielsweise das Auto für die Mobilität am Urlaubsort benutzen, ohne das mobile Appartement mitnehmen zu müssen.

Die für Langzeitaufenthalte normalerweise nicht vorgesehenen und geeigneten Wohnmobilstellplätze würden durch diese Erkenntnis u. U. wieder etwas entlastet. Ich habe mehrere Bekannte, die vom WoMo wieder auf den Wohnwagen umgestiegen sind, weil er besser zu ihren Urlaubsgewohnheiten und -vorlieben passt und trotz der CP-Gebühren deutlich wirtschaftlicher ist als der Kauf und Unterhalt eines WoMos.

Wie ich bereits in früheren Beiträgen betonte, würde m. E. bei geringerem Anspruchsdenken zudem die Aussicht auf Erweiterung von Stellplatzkapazitäten wachsen, weil potentielle Betreiber mit geringeren Kosten rechnen könnten. Und wir Mobilisten natürlich auch! Aber viele ehemalige Wohnwagentouristen sind nun mal an gewisse Komfortangebote seitens eines Campingplatzes gewöhnt und projizieren ihre Ansprüche nun auf Wohnmobilstellplätze, die bei Erfüllung aller Wünsche deutlich verteuert würden, bzw. gar nicht erst entstehen.

Außerdem: Im dicht besiedelten Deutschland geht es nun einmal eng zu. Da hilft alles Nörgeln und Klagen nichts. Es gibt jedoch fast überall in Europa durchaus noch beschauliche Plätze, die ein wenig die von der Branchenwerbung propagierte wohnmobile Freiheit erahnen lassen (Titelfoto: Camping am Geiranger Fjord). Doch nur dem Herdentrieb zu folgen und sich immer dort versammeln zu wollen, wo alle anderen auch hinfahren (nur weil es vielleicht billig ist), bringt keine Entspannung der Lage, berechtigt dann aber auch nicht zur Nörgelei.

Es müsste m. E. weder immer der Rhein sein, den man besucht, noch die Nordsee oder die Riviera. Und es müsste auch nicht immer in der Hauptreisezeit gefahren werden, wenn man zu weniger turbulenten Zeiten ebenso Urlaub machen könnte. Damit meine ich nicht nur uns Ruheständler. Letztlich muss es doch auch kein WoMo-Stellplatz sein, den man aufsucht, schon gar nicht mit einem Gespann, wenn er einem ja sowieso nicht gefällt, weil er nicht komfortabel genug ist. Dafür sind CP da, die alles bieten.

„Entzerrung“ durch sinnvolle Nutzung der verfügbaren Stellplatz- und Campingplatz-Kapazitäten, Verwendung des zur Urlaubsform passenden Freizeitfahrzeuges sowie intelligente Urlaubszeitplanung hielte ich für wünschenswert. Würde das im Einklang mit bestehenden Regeln beherzigt, fände man womöglich sogar noch ein Plätzchen am Rhein, an der Nordsee oder an der Riviera. 😎 Auch ohne „Kuschelcamping“-Atmosphäre oder Schlimmerem! Wir versuchen jedenfalls, dem großen Gedrängel aus dem Weg zu gehen. Bislang gelingt uns das fast immer. Es gibt keinen Grund zum Jammern.

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Stellplatz Kelheim: Genug Platz, wenn sich alle Beteiligten an die Regeln halten würden, was leider oft nicht der Fall ist.

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